"Eine Hand wäscht die Andere" - Im Simulator bei Augsburg Airways
Wie heißt es doch so schön: Das Leben schreibt die schönsten Geschichten! Ein Tag wie jeder andere und ich mal wieder am Flughafen in Augsburg. Auf dem Vorfeld war einiges los, so dass es viel zu fotografieren gab. Ein paar Super King Air, eine Netjets 400XP, dazu noch eine C90. Also hab ich einen kleinen 2-Stufentritt aus meinem Auto geholt und bin in Richtung Beechcraft-Hangar gelaufen, neben dem sich auch das Trainingszentrum von Augsburg Airways befindet.


Um optimale Sicht zu bekommen bin ich drei Meter hinter dem Trainingscenter am Zaun entlang gelaufen und habe meine Bilder gemacht. Als alles wunschgemäß abgelichtet war, habe ich meine Leiter zusammengepackt und wollte schon wieder gehen, als mir ein offenes Klofenster bei Augsburg Airways auffällt. Nicht zu groß, aber auch nicht so klein, dass nicht jemand durchpassen würde und Computermonitore oder anderes Sach nach außen schaffen könnte. Also bin ich näher an das Fenster herangetreten und hab vorsichtig geschaut, ob da nicht vielleicht jemand noch da ist.
Da das Gebäude ziemlich verlassen ausgeschaut hat - es war ja auch schon gegen 16.00 Uhr - bin ich einmal um das Haus und hab in jedes Fenster reingeschaut, aber auch da war nichts zu sehen. Keiner da!
Ehrlich wie ich bin, waren meine Gedanken, was passiert, wenn ich nun nicht der einzige sein sollte, der dieses offene Fenster entdeckt, und eventuell … ???
Gemäß dem Bestreben aller Spotter, sich an jedem Flughafen „einwandfrei" zu verhalten und bei Besonderheiten entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, bin ich zum Entschluss gekommen, Augsburg Airways darüber zu informieren, dass dieses Klofenster noch offen stand, natürlich auch in der Hoffnung, man würde es mir in irgendeiner Weise danken.
Ich bin also zur Eingangstür gelaufen, an dem ein Schild mit Telefonnummern hing und habe die dortige Rufnummer gewählt.
Bei der ersten Nummer ging nur die Mailbox ran, bei der zweiten hatte ich dann aber Glück.
Um sicher zu gehen, fragte ich erst einmal, ob denn aktuell sich noch Personen im Gebäude aufhalten würden. Ich wollte ja nicht unbedingt eine Gruppe, die vielleicht still am Lernen war stören. Nach längerem Nachschlagen in diversen Papieren am anderen Ende der Leitung war klar, dass dort niemand mehr war. Ich hinterließ noch meinen Namen und Telefonnummer und mir wurde versichert, es würde jemand vorbeischauen, der das Fenster schließen würde.
Nach ca. 3-4 Minuten erreichte mich dann wieder ein Anruf vom selben Herrn, er würde in ca. 10 Minuten vor Ort sein, und ob ich noch am Flughafen sei, und wenn ja, wie lange noch. Er sei der Meinung, „eine Hand wäscht die Andere“ und ob ich nicht Lust hätte, einen kleinen Simulator-Flug mit ihm zu machen. Meine Antwort muss ich ja nicht unbedingt hier mitteilen, da ihr sie Euch wohl denken könnt.
Nach kurzem Warten kam mein „persönlicher Lehrer“ dann angefahren. Wir schlossen zuerst das Klofenster und gingen dann gleich in den Simulator Raum. Und da stand er, der Dash-8 Simulator der Firma ALSIM von Augsburg Airways. Ein statischer Simulator (leider!), aber trotz allem ziemlich genial. Die Ausbildung am Full-Motion–Simulator wird übrigens in Stockholm durchgeführt.

In Zusammenarbeit mit der französischen Firma ALSIM wurde als weltweit erstes Gerät seiner Art ein Dash 8 Trainer/Simulator (FNPT II Fixed Base Simulator) mit 120° Visual System entwickelt und gebaut. Der Trainer/Simulator ist nach den europäischen Richtlinien für die Luftfahrt nach JAR-STD 2A und 3A zugelassen und wird eingesetzt für:
- Dash 8 Typenschulung (Type Rating)
- Auffrischungstraining (Recurrent Training)
- Schulung im Rahmen der effektiven Zusammenarbeit als Besatzung (Multi Crew Co-Operation/MCC)
- Instrumentenausbildung im Rahmen der Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer
„Der Trainer/Simulator ermöglicht die Simulation des Ausfalls aller wichtigen Flugzeugsysteme, trainiert werden normale und außergewöhnliche Notverfahren und die damit verbundenen Procedures.“
Ich durfte auf dem Sitz des Captains Platz nehmen, während sich mein Ausbilder auf dem Platz des First Officer begab.

Wir sollten ab München auf der 08L bei schönem Wetter und keinem Wind in Richtung Augsburg starten. (Gut, dass man das Wetter einfach so einstellen kann!).
Da der Simulator natürlich ein realitätsnahes Handling verlangt, mussten wir zunächst einmal sämtlich Preflight-Procedures vornehmen, wobei ich eher eine beobachtende Rolle einnahm. Ich durfte immer den Hold-Button drücken, nachdem die Frequenzen auf meiner Seite eingestellt waren, was aber überhaupt nicht schlimm war. Ich war immer noch von der Tatsache begeistert, überhaupt auf diesem Platz zu sitzen. Nach ca. 20 Minuten war dann alles eingestellt und wir fanden uns am Threshold der 08L wieder.

Nach kurzen Instruktionen (ich habe keinerlei Flugerfahrung, nicht einmal FlightSimulator) haben wir „full thrust“ gegeben und beschleunigt. Meine Aufgabe war es, die Dash 8 auf der Centerline zu halten und bei entsprechendem Zeichen zu rotieren. Gar nicht so einfach. Nach mehr oder weniger eierigen Bewegungen und mehr oder minderen Eingriffen seitens des FO zog ich die Nase hoch und wir begannen unseren Steigflug auf 5000 ft, verbunden mit einer Linkskurve. Die Flaps und das Fahrwerk wurden eingefahren.
Unser Flugziel sollte Augsburg sein, wo wir auf meinen Wunsch ein „low pass fly by“ machen wollten. Mit dem Trimmrad wurde auf den künstlichen Horizont eingetrimmt und wir setzten unseren Flug in Richtung Augsburg fort. Nach kurzer Zeit, war Augsburg erreicht und wir setzten zum Überflug an.
Frequenzen des ILS wurde eingestellt, Flaps und Fahrwerk wurden ausgefahren, und dann ging es über Augburg hinweg! Ein kurzes Winken aus dem Fenster an die Freunde und Bekannten, die auf der Besucherterrasse standen, und wir stiegen wieder auf 4000 ft. Anschließend folgte das go around (heißt das so??) links an EDMA vorbei. Wir stellten Heading 150 ein und befanden uns nun wieder auf direktem Kurs nach München. Das besondere war, dass wir einen Überflug über MUC machen wollten, direkt am Tower vorbei.
Meine Aufgabe war es nun, wieder alleine nach Sicht den Überflug zu gestalten. Also, Pi mal Daumen Kurs genommen und dann direkt drüber! Was für ein Spaß! Ich hab nach unten geschaut, leider war kein Betrieb, weder an T1 noch an T2, tote Hose quasi in MUC!
Letztendlich haben wir wieder Kurs auf die 08L genommen und sicher zu Landung aufgesetzt. Zum „an die Parkposition rollen“ hat dann leider die Zeit gefehlt. Wir sind einfach mitten auf der Runway stehen geblieben.
Ich hab dann noch ein paar Fotos gemacht, da während des Fluges wirklich überhaupt keine Zeit dafür war.

Das Licht ging an und die Realität hatte mich wieder.
Der Simulator bietet einen wirklich sehr realitätsnahen Eindruck vom Fliegen, der auch ohne Full-Motion erreicht werden kann. Spätestens nach ca. 5 Minuten stellt sich das Gehirn darauf ein und man macht Kurven automatisch mit, bzw. denkt, das Flugzeug macht die Bewegung und nicht das Bild auf der Leinwand. Ein absolut fantastisches Erlebnis!
Der Dank geht an meinen First Officer, der sich wirklich große Mühe gegeben hat, alles so realistisch wie möglich zu gestalten!
Und wenn einer noch sagt, in Augsburg ist nichts los, dann ... ! ;-)
Ich glaube, das ist der Reiz eines kleinen regionalen Flughafens. Solche Möglichkeiten hätte ich an einem anderen Platz wahrscheinlich nie gehabt.
Namen sowie Datum wurden aus Gründen des Mitarbeiterschutzes bei Augsburg Airways von mir weggelassen. Das Ganze hat sich im Jahr 2007 so ergeben.
Die Informationen zum Trainer finden sich auch auf der Homepage von Augsburg Airways unter der Rubrik Dash 8 Trainer.